Der Dampfkessel der Linnea

Unser Objekt des Monats November ist ein Dampfkessel, der eine ungewöhnliche Geschichte hat:

In diesem Fall wurde der Kessel nämlich nicht in einem Betrieb als stationäre Energiequelle eingesetzt, sondern auf einem kleinen Boot; dies zeigt die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Dampfkesseln.

Üblicherweise haben Boote Verbrennungs- oder Elektromotoren. Herr Ehlich, der auch Mitglied im Technik-Museum Kassel (TMK) ist, entschied sich jedoch für einen Dampfantrieb. Sein Dampfboot Linnea wurde mit einer Dampfmaschine ausgerüstet, die den hübschen Namen Eskader trug. Der dazugehörige Kessel, der im Bild zu sehen ist, befindet sich im TMK. Mit diesem Dampfboot unternahm Hellmuth Ehlich zahlreiche Fahrten auf der Fulda.

Der Dampfkessel ist ein „Kasseler Kind“, er wurde von der Kasseler Firma Becker & Rosenthal gebaut. Ausgeführt ist er als stehender Rauchrohrkessel und konnte sowohl mit Holz als auch mit Kohle geheizt werden. Die Heizfläche betrug 2,5 m2. Mit einem zulässigen Kesseldruck von 10 bar leistete die Dampfmaschine 1,5 PS bei 300 Umdrehungen pro Minute. Dampfkessel müssen vor der Inbetriebnahme immer einer Kesseldruckprobe unterzogen werden; dies war auch schon bei den großen Kesseln der Dampflokomotiven so. Im Falle eines sogenannten Kesselzerknalls könnten schlimme Unfälle passieren. Man mag nur an das kochend heiße Wasser, den Dampf und umherfliegende Teile denken. Hellmuth Ehlich erinnert sich, dass die Abnahme des Kessels durch den TÜV langwierig war; im Jahr 2009 wurde schließlich das notwendige Zertifikat erteilt und der Kessel konnte in Betrieb genommen werden.

Auf dem Foto ist im Vordergrund die Linnea und im Hintergrund die Theansa zu sehen, die Wolfgang Pause gehört, der ebenfalls Mitglied im TMK ist. Sein Boot ist etwas größer und leistungsstärker; einigen dürfte sein Boot durchaus bekannt sein.

Die Herren Ehlich und Pause waren aber nicht die Einzigen, die mit ihren Dampfbooten über die Fulda „schipperten“.
Anlässlich der traditionellen Wasserumzüge beim „Zissel“ trafen sich Dampfbootliebhaber mit ihren Booten und nahmen auch an den Festzügen auf der Fulda teil. Im Jahr 1996 reichte die 3 PS-starke Dampfmaschine der Theansa von Wolfgang Pause aus, um ein Motivboot zu ziehen, das die ungeliebte Treppe thematisierte, die mehrere Jahre auf dem Königsplatz stand.

Beim Betrachten dieses Fotos der Linnea, die hier mit einigen unserer Mitglieder auf der Fulda unterwegs ist, werden nicht nur Filmliebhaber an den Film African Queen mit Humphrey Bogart und Katharine Hepburn aus dem Jahr 1951 erinnert. Leider wurde die Linnea schließlich durch einen Brandstifter in Brand gesetzt und das Boot wurde zerstört. Der im TMK ausgestellte Dampfkessel und die Maschine blieben erhalten.

Dass der berühmte Wissenschaftler Denis Papin, der um 1700 in den Diensten von Landgraf Carl stand und wegweisende Erfindungen machte, auch ein Dampfboot gebaut haben soll, ist jedoch Legende. Sein Boot wurde bekanntlich auf dem Weg nach England bei der Durchfahrt durch Hannoversch-Münden von der dortigen Schiffergilde zerstört. Es hatte zwar einen Schaufelrad-Antrieb, jedoch keine Dampfmaschine. Eine andere seiner Erfindungen, nämlich ein Tauchboot, war aber Realität und kann als Modell ebenfalls in unserer Dauerausstellung besichtigt werden.

Text: Dr. Kurt Bangert

Bilder auf Fulda: TMK

Bild Dampfkessel: Wolfgang Dünkel

(last update 10.11.2020)

Das TMK gratuliert der HNA ...

DAS TECHNIK-MUSEUM KASSEL GRATULIERT DER HNA ZUM 75-JÄHRIGEN JUBILÄUM

Bücher, Zeitschriften und sonstige Druckwerke umgeben uns mit großer Selbstverständlichkeit. Wenn wir morgens die HNA aus dem Briefkasten nehmen und bei einer heißen Tasse Kaffee das Neueste lesen, machen wir uns keine Gedanken darüber wie aufwendig  Setzen und Drucken einer Zeitung um die Jahrhundertwende waren. Anlässlich des Jubiläums der HNA blicken wir kurz zurück:

Im ausgehenden Zeitalter der Aufklärung führte das gesteigerte Informations- und Lesebedürfnis der Bevölkerung zu einer starken Nachfrage nach Zeitschriften und Büchern. Auflagen und Umfang der Druckwerke nahmen exorbitant zu. In den Druckereien konnte der Druckprozess durch stetig verbesserte Druckmaschinen gesteigert werden, jedoch gelang es nicht, das Setzen der einzelnen Buchstaben zu mechanisieren, dies erfolgte nach wie vor sehr zeitaufwendig im Handsatz. Die verwendeten Buchstaben mussten am Ende wieder auseinandergebrochen und von Hand in die Setzkästen zurückgeführt werden. Trotz größter Bemühungen zahlreicher Erfinder, war es ein Problem, den komplexen Prozess des „Setzens, Auseinanderbrechens und des Ablegens“ zu mechanisieren.

Ottmar Mergenthaler, ein aus Bad Mergentheim stammender deutscher Uhrmacher, wanderte 1872 in die USA aus. Dort knüpfte er Kontakte zum Druckgewerbe und erkannte die Probleme des Handsatzes. Dies war die Initialzündung, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen; sein Beruf kam  ihm dabei zugute. Im Jahr 1886 gelang es ihm, den komplexen Prozess zu mechanisieren. Seine „Blower“ war die erste funktionierende Matrizensetz- und Zeilengießmaschine, auch wenn sie noch kleinere Probleme aufwies. Die Maschine verbreitete sich zunächst auf dem amerikanischen Markt, 1894 kommt eine verbesserte Setzmaschine nach Deutschland.

Die Buchstaben wurden bei dem neuartigen Maschinensatz nun nicht mehr einzeln vom Handsetzer aus dem Setzkasten herausgenommen und später wieder zurückgelegt, sondern der Text wurde über eine Tastatur, wie bei einer Schreibmaschine, eingegeben. Für jeden angetippten Buchstaben fällt eine Matrize aus einem Magazin. Diese Buchstabenmatrizen werden zu Zeilen aneinandergereiht und ausgegossen. Es entsteht eine sogenannte „line of types“, die Namensgeber für die Linotype-Maschine ist. Die maschinell erstellten Zeilen werden zu Druckstößen angeordnet. Die Buchstabenmatrizen, die zum Guss der Zeilen verwendet wurden, werden danach wieder auseinandergebrochen und im letzten Arbeitsschritt über Zahnstangen wieder in das Matrizenmagazin zurückgeführt. Der neue Maschinensatz führte zu einem gravierenden Wandel in der Druckbranche. Einerseits konnte der Satz nun beschleunigt werden und kostengünstiger erfolgen, andererseits wurden viele Handsetzer arbeitslos. Neben dem Beruf des Handsetzers bildete sich der Beruf des Maschinensetzers heraus.

Anlässlich des 75jährigen Jubiläums der HNA zeigt das Technik-Museum eine Linotype-Setzmaschine  an exponierter Stelle. Besucher/Innen können sich selbst ein Bild davon machen, welche Genialität und konstruktive Leistung in dieser Maschine steckt. Drei - bis zur Erfindung des Maschinensatzes von Hand ausgeführte – Arbeitsschritte, nämlich das „Setzen, Auseinanderbrechen und Ablegen“ wurden nunmehr durch eine einzige Maschine erledigt.

Recherchen der HNA haben ergeben, dass die im TMK befindliche Maschine diejenige sei, auf der zunächst die ersten Proklamationen der Amerikaner und dann die erste Ausgabe der Hessischen Nachrichten gedruckt wurden. (HNA, 16.09.2020).

Text: Andrea Krischke

Bild: Wolfgang Dünkel

(last update 26.09.2020)

RECARO-Sitz



In 1977 wurde Horst Sommerlatte (* 1940) zum Professor für Industrie-Design mit den Studienschwerpunkten Öffentlichkeits-, Arbeits- und Individualbereich an die Kunsthochschule (heute Universität Kassel) berufen, wo er bis 2005 wirkte.
Ab 1971 entwickelt Horst Sommerlatte für das Unternehmen Recaro Automobilsitze. Die im Hinblick auf Sicherheit, Orthopädie und Komfort optimierten Autositze werden weltweit millionenfach verkauft. Seine Entwürfe für die Recaro Sitze N, LS und C wurden mehrfach mit Design-Preisen (u.a. in 1980 vom Design-Center Stuttgart) ausgezeichnet.

Münzzählmaschine

Bezeichnung: Standard Rapid - Type L - No.: 751200

Hersteller: Standardwerk Eugen Reis GmbH, 752 Bruchsal 

Dieses Münzzählgerät stammt aus den 50er Jahren. Es lässt sich für jeden Münztyp stufenlos auf Durchmesser und Dicke einstellen, somit ist es für alle Münzen verwendbar. Das Gerät ist vollständig aus Metall gefertigt und wird mit einer Handkurbel angetrieben.

Abmessungen:

Höhe 21,3 cm

Breite 28,4 cm

Tiefe 22,5 cm

Gewicht: 10,6 kg

Bauzeit: 1950 - 1974 

Den passenden Münzauffangsack suchen wir noch.   

In 1924 wurde die Standardwerk Eugen Reis GmbH in Bruchsal gegründet. Eugen Reis war nicht nur ein Pionier im Bau von Münzzählmaschinen, sondern auch der Erfinder des Münzrolliers. Seit den 90er Jahren zählt  der Nachfolgebetrieb  zu den Marktführern  bei den aktuellen Geldzählmaschinen in Deutschland. Die hier ausgestellte Münzzählmaschine wurde u. a. bei Banken, bei Bundesbahn und Bundespost, in Kaufhäusern und in allen Betrieben, in denen im größeren Umfang Münzgeld anfiel, eingesetzt.

Recherche, Text und Bild: Günter Burggraf

Rührfix

hier entsteht ein Beitrag über den bekannten Rührfix von August Heinzerling

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Kontakt

Technik-Museum Kassel e.V.
Wolfhager Str. 109,
34127 Kassel
0561-86190400
museum@tmk-kassel.de

(last update 09.10.2020)

Unsere Öffnungszeiten

Sommer vom 1. April - 31. Oktober
Mittwoch – Freitag: 14:00 – 17:00 Uhr
Samstag und Sonntag: 11:00 – 17:00 Uhr

an Feiertagen: 11:00 -17:00 Uhr

letzter Einlass 16:20 Uhr

Winter vom 1. November - 31. März
Mittwoch – Freitag: 13:00 – 16:00 Uhr
Samstag und Sonntag: 11:00 – 16:00 Uhr

an Feiertagen: 11:00 - 16:00 Uhr

letzter Einlass 15:20 Uhr

Unsere Ausstellungshalle ist nicht geheizt, im Winterhalbjahr bitte entsprechend kleiden

(last update 09.10.2020)

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