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Kühltechnik aus Kassel

Eisschränke-
Einer den bekanntesten, überregionalen Herstellern von Eisschränken war die Firma Schmidt & Keerl in Cassel. Über die Firma Schmidt & Keerl liegen nur wenige Informationen vor. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Immobilien in der Frankfurter Str., bei den Bombenangriffen 1943/1944, völlig zerstört wurden. Eisschränke wurden aus Fichte gefertigt, mit Zinn- oder Zinkeinlage. Diese Materialien fanden Verwendung wegen ihrer geringen Korrosionsanfälligkeit. Die Isolierung bestand aus einer mehr oder weniger aufwändigen Schichtung von Holz, Kork, Sägespänen, Torf, Stroh oder auch Seetang. Neben Eisschränken gab es auch noch Eiskisten, die ähnlich aufgebaut waren. Eine der ersten Versionen von Eisschränken ist das bei uns im TMK ausgestellte Exponat, siehe Foto rechts. Es gab zwei Grundversionen. Bei den ersten Schränken wurde Eis in den linken Behälter gefüllt und diente als Kühlmittel. Rechts konnte noch weiteres Eis gelagert werden. Das Kühlgut wurde von vorn eingelagert. Tauwasser lief an der Vorderseite aus, konnte aufgefangen oder direkt entsorgt werden. Bei der nächsten Generation konnte der Schrank an die Wasserleitung angeschlossen werden. Das kalte Wasser floss durch Kühlschlangen um den Lagerbehälter für das Kühlgut und dann weiter zur Wasserentnahmestelle. Das Eis für die Kühlung wurde im Winterhalbjahr aus der Fulda und Teichen in der Innenstadt gesägt. Heute erinnert der Name Teichstraße noch an den See, der hier für die Eisgewinnung genutzt wurde. Das gewonnene Eis wurde in tiefen Gewölbekellern eingelagert. Diese befanden sich überwiegend im Kratzenberg, heute Kölnische Str. Einige dieser Keller sind noch vorhanden und können besichtigt werden. (ViKoNauten e.V.)  HIER LINK EINFÜGEN www.kassel-total.de Sie befinden sich in einer Tiefe von über 9 Metern. Darin taute das Eis über den Sommer, bis in den Spätherbst nicht auf. Das Eis wurde in passende Klötze zersägt und bei Bedarf zum Endverbraucher transportiert. Dafür gab es eine Firma, mit dem passenden Namen „Der Eismann“. Bei der Aufstellung eines Eisschranks galten die gleichen Grundsätze wie für die Planung von Vorrats- und Speisekammern. Der Ort des Eisschranks sollte an einer möglichst kühlen, von außen mit Bäumen beschatteten Nordwand, möglichst weit weg von Kaminen, Herden – also auch der warmen Küche – und Sonnenstrahlen sein. Dadurch konnten die unnötige Aufheizung und das vorzeitige Auftauen des Eises minimiert werden. Vorratskeller, die nicht wärmer als 15 °C werden, waren die bestmöglichen Aufstellungsorte. Alternativ hatten viele Küchen auch einen sogenannten Eisbalkon. Ab den 50-ziger Jahren wurden diese Eisschränke durch elektrische Kühlschränke abgelöst. Auch wieder in Kassel produziert, von der AEG. Bis zur Schließung des Werkes in der Lilienthal Str. wurden dort ca. 16 Millionen Eis- und Gefrierschränke hergestellt.


Quellen:

150 Jahre Stadtgeschichte Kassel / Adressbuch Cassel von 1902 + 1910/ Fachblatt f. Innendekoration Archiv Uni Heidelberg / Wikipedia Autor: Jochen Spier 2019-04-21
Fotos: Aus Adressbuch Cassel und Archiv Uni Heidelberg, Vom Exponat ©Jochen Spier/TMK

Objekt des Monats

DAS TECHNIK-MUSEUM KASSEL GRATULIERT DER HNA ZUM 75JÄHRIGEN JUBILÄUM
Bücher, Zeitschriften und sonstige Druckwerke umgeben uns mit großer Selbstverständlichkeit. Wenn wir morgens die HNA aus dem Briefkasten nehmen und bei einer heißen Tasse Kaffee das Neueste lesen, machen wir uns keine Gedanken darüber wie aufwendig Drucken und Setzen einer Zeitung um die Jahrhundertwende waren. Anlässlich des Jubiläums der HNA blicken wir kurz zurück:
Im ausgehenden Zeitalter der Aufklärung führte das gesteigerte Informations- und Lesebedürfnis der Bevölkerung zu einer starken Nachfrage nach Zeitschriften und Büchern. Auflagen und Umfang der Druckwerke nahmen exorbitant zu. In den Druckereien konnte der Druckprozess durch stetig verbesserte Druckmaschinen gesteigert werden, jedoch gelang es nicht, das Setzen der einzelnen Buchstaben zu mechanisieren, dies erfolgte nach wie vor sehr zeitaufwendig im Handsatz. Die verwendeten Buchstaben mussten am Ende wieder auseinandergebrochen und von Hand in die Setzkästen zurückgeführt werden.
Trotz größter Bemühungen zahlreicher Erfinder, war es ein Problem, den komplexen Prozess des „Setzens, Auseinanderbrechens und des Ablegens“ zu mechanisieren.
Ottmar Mergenthalter, ein aus Bad Mergentheim stammender deutscher Uhrmacher, wanderte 1872 in die USA aus. Dort knüpfte er Kontakte zum Druckgewerbe und erkannte die Probleme des Handsatzes. Dies war die Initialzündung, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen; sein Beruf kam  ihm dabei zugute. Im Jahr 1886 gelang es ihm, den komplexen Prozess zu mechanisieren. Seine „Blower“ war die erste funktionierende Matrizensetz- und Zeilengießmaschine, auch wenn sie noch kleinere Probleme aufwies. Die Maschine verbreitete sich zunächst auf dem amerikanischen Markt, 1894 kommt eine verbesserte Setzmaschine nach Deutschland.
Die Buchstaben wurden bei dem neuartigen Maschinensatz nun nicht mehr einzeln vom Handsetzer aus dem Setzkasten herausgenommen und später wieder zurückgelegt, sondern der Text wurde über eine Tastatur, wie bei einer Schreibmaschine, eingegeben. Für jeden angetippten Buchstaben fällt eine Matrize aus einem Magazin. Diese Buchstabenmatrizen werden zu Zeilen aneinandergereiht und ausgegossen. Es entsteht eine sogenannte „line of types“, die Namensgeber für die Linotype-Maschine ist. Die maschinell erstellten Zeilen werden zu Druckstößen angeordnet. Die Buchstabenmatrizen, die zum Guss der Zeilen verwendet wurden, werden danach wieder auseinandergebrochen und im letzten Arbeitsschritt über Zahnstangen wieder in das Matrizenmagazin zurückgeführt.
Der neuen Maschinensatz führte zu einem gravierenden Wandel in der Druckbranche. Einerseits konnte der Satz nun beschleunigt werden und kostengünstiger erfolgen, andererseits wurden viele Handsetzer arbeitslos. Neben dem Beruf des Handsetzer bildete sich der Beruf des Maschinensetzers heraus.
Anlässlich des 75jährigen Jubiläums der HNA zeigt das Technik-Museum eine Linotype-Setzmaschine  an exponierter Stelle. Besucher/Innen können sich selbst ein Bild davon machen, welche Genialität und konstruktive Leistung in dieser Maschine steckt. Drei - bis zur Erfindung des Maschinensatzes von Hand ausgeführte – Arbeitsschritte, nämlich das „Setzen, Auseinanderbrechen und Ablegen“ wurden nunmehr durch eine einzige Maschine erledigt.
Recherchen der HNA haben ergeben, dass die im TMK befindliche Maschine, diejenige sei, auf der zunächst die ersten Proklamationen der Amerikaner und dann die erste Ausgabe der Hessischen Nachrichten gedruckt worden sei (HNA, 16.09.2020).

Text: Andrea Krischke

Bild: Wolfgang Dünkel

(last update 25.09.2020)

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Technik-Museum Kassel e.V.
Wolfhager Str. 109,
34127 Kassel
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museum{at}tmk-kassel.de

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Samstag und Sonntag: 11:00 – 17:00 Uhr

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Winter vom 1. November - 31. März
Mittwoch – Freitag: 13:00 – 16:00 Uhr
Samstag und Sonntag: 11:00 – 16:00 Uhr

an Feiertagen: 11:00 - 16:00 Uhr

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