Hochspannungstechnik

Im 60-/10-kV-Umspannwerk neben der Müllverbrennungsanlage stand unser "dienstältestes TMK-Exponat der Elektrischen Energietechnik". Unser Schalter ist der letzte ganz hinten rechts vor dem Backsteingebäude

In diesem Teilgebiet der Elektrischen Energietechnik können wir Ihnen nur wenige Exponate vorstellen, obwohl diese durch ihre Entwicklung und Herstellung in Kassel bei der ehemaligen AEG Hochspannungs-Schaltgerätefabrik (firmenintern HSF bezeichnet) erst das Sammlungsgebiet begründet haben. Der Grund für diese wenigen Exponate liegt schlichtweg auch in ihren Abmessungen, denn wir reden hier von Bemessungsspannungen im Bereich von 72.500 bis 550.000 Volt (72,5 - 550 kV) der ehemaligen Fabrikation in Kassel. Mit dieser Spannungsangabe ist damit auch bereits die Frage aus der Übersichtsseite "Elektrische Energietechnik" beantwortet: Als Hochspannung bezeichnen die Fachleute aus praktischen Gründen alles, was oberhalb einer Verteilnetzspannung von 60 kV angesiedelt ist. Diese Definition grenzt sich allerdings erheblich von der Definition des VDE in dessen DIN-VDE-Normen ab, denn dort beginnt die Hochspannung bereits bei 1.000 Volt = 1 kV.

Unser an "TMK-Dienstjahren" ältestes Exponat dieses Sammlungsgebiets ist ein AEG-Freistrahlschalter, der ehemals im 60-/10-kV-Umspannwerk der Kasseler Städtische Werke Netz + Service GmbH neben der Müllverbrennungsanlage in den Lossewiesen stand, dort am 10.10.2010 demontiert, im Werk in der Lilienthalstraße aufgearbeitet wurde und am 26.03.2012 im Schiff 10 unseres Museums erstmals aufgestellt und später an den jetzigen Standort umgestellt wurde. Weiterhin haben wir einen AEG-Schalter für die gleiche Bemessungs- und Betriebsspannung mit dem Löschmittel Schwefelhexafluorid, der ehemals im Umspannwerk Rothenditmold in einer Innenraum-Schaltanlage eingesetzt war, grundsätzlich jedoch für Freiluftaufstellung geeignet war (hierzu muss eine Vorstellung im Internet noch erfolgen). Und draußen auf dem Hof liegt und wartet auf seine Aufstellung in der Halle ein AEG-Schalter für 220 kV (auch hierzu muss eine Vorstellung im Internet noch erstellt werden). Damit liegen wir nur eine Spannungsebene unter dem in Deutschland höchsten Wert von 380 kV. Gefertigt wurden in Kassel aber auch Schalter bis zu 550 kV, eingesetzt in außereuropäischen Ländern. Und dann stellen wir in diesem Teilgebiet noch ein kurzes Demonstrationsstück einer 110-kV-Freileitung vor.

Wird fortgesetzt!

Text und Bilder: Wolfgang Dünkel

(last update 04.03.2021)

AEG-SF6-Leistungsschalter für das 220-kV-Übertragungsnetz

Noch liegt er vor dem Eingang zum "Henschel-Museum und Sammlung": Unser 220-kV-Leistungsschalter mit SF6-Isolierung und -Lichtbogenlöschung für das Übertragungsnetz in Europa

Aber dort wird er nicht liegenbleiben, denn er wird in der Halle aufgestellt und dann können Sie über fast 5 Meter Höhe staunen und erhalten auch rechtzeitig eine Beschreibung über seine Aufgaben im europäischen Übertragungsnetz und seine Funktion. Warten Sie es bitte ab.

Text und Bild: Wolfgang Dünkel, TMK

(last update 06.03.2021) 

AEG-Druckgas-Leistungsschalter für 72,5 kV mit SF6

AEG-Druckgas-Leistungsschalter S1 für 72,5 kV mit SF6 als Isolier- und Löschmittel aus dem 60-/10-kV-Umspannwerk Rothenditmold der Städtische Werke Netz + Service GmbH im TMK hinter dem Transrapid

Wie der an letzter Stelle im Teilgebiet Hochspannungstechnik beschriebene "AEG-Freistrahlschalter" Typ HP2 ist auch dieser links/oben abgebildete Leistungsschalter Typ S1 in der AEG-Hochspannungsschaltgerätefabrik Kassel in der Lilienthalstraße in Bettenhausen entwickelt und gefertigt worden. Er war viele Jahre im Umspannwerk Rothenditmold der Städtische Werke Netz + Service GmbH eingesetzt und wurde – wie der HP2 – wegen der Umstellung auf ein innerstädtisches 110-kV-Hochspannungs-Verteilnetz durch eine neuzeitlichere Schaltanlage ersetzt.

SF6 (Schwefelhexafluorid) wurde 1937 erstmalig als Isoliermittel für Hochspannungskabel eingesetzt und schon 1938 erhielt die AEG ein Patent über die Verwendung von SF6 als Löschmittel. SF6 hat eine ungefähr dreimal höhere elektrische Festigkeit als Luft unter sonst gleichen Bedingungen. Wegen seiner guten thermischen Eigenschaften und seiner niedrigen Ionisationstemperatur hat es auch hervorragende Löscheigenschaften für elektrische Lichtbögen. In reinem Zustand ist es ein farbloses, ungiftiges und nicht brennbares Gas.

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110-kV-Freileitung mit Langstabisolatoren

Elektrische Energie wird in der Regel nicht dort durch Umwandlung aus zumeist Primärenergien erzeugt, wo sie benötigt wird. Sie muss also dem Anwender zugeleitet werden. Hierzu stehen im öffentlichen Netz Schaltanlagen, Transformatoren und verbindende Kabel und Freileitungen zur Verfügung.

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AEG-Freistrahlschalter - Luft kann nicht brennen

AEG-Freistrahlschalter HP2 für eine Bemessungsspannung 72,5 kV aus dem 60-/10-kV-Umspannwerk der Städtische Werke Netz + Service GmbH neben der Müllverbrennungsanlage in den Lossewiesen

Der links/oben abgebildete und im Museum ausgestellte dreipolige Freistrahlschalter aus dem Umspannwerk (UW) Losse der Städtischen Werke Netz + Service GmbH in Kassel wurde von der AEG-Hochspannungsschaltgerätefabrik Kassel in der Lilienthalstraße, Stadtteil Bettenhausen, auf der in Berlin ab 1926 erarbeiteten Grundlage der Lichtbogenlöschung mit Druckluft entwickelt und gefertigt. Er hat ein Untergestell mit dem Kessel für die Druckluft für die drei Pole des Drehstromsystems, welche sowohl zum Schalten wie auch zum Löschen des Lichtbogens benötigt wird.

Die drei waagerecht angeordneten, immer gleichzeitig arbeitenden Schaltköpfe mit ihren gegenläufig arbeitenden Schaltstiften in den beiden weißen Freistrahldüsen je Pol sitzen auf den senkrechten Polsäulen, welche als Isolator die Hochspannung vom Erdpotential trennen. Wesentliches Merkmal der Freistrahlschalter war das Ausblasen der Schaltgase durch eine Düse unmittelbar ins Freie. Die Schaltstrecken wiesen eine oder mehrere hintereinanderliegende Freistrahldüsen auf und die Schaltstrecken der Freistrahlschalter waren sichtbar, so dass der Schalterzustand "Ein" oder "Aus" erkennbar war. In Bild links/oben ist vorn die Ausschaltstellung, in der Mitte eine angenommene Zwischenstellung und hinten die Einschaltstellung des Schaltstifts simuliert.

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