Weihnachtliche Versandkataloge

Curt Maybaum gründete im Herbst die Firma Sigurd als Handelsgesellschaft und ließ sie bei der Handelskammer Kassel für den Vertrieb von Haushaltswaren und anderen Artikeln eintragen.
In dieser Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg wurden verstärkt Hilfsmittel für Kriegsversehrte und beeinträchtigte Soldaten, wie Krücken und Rollstühle, angeboten. Daneben wurden sowohl für Erwachsene als auch für Kinder Produkte angeboten. Besonders in der Vorweihnachtszeit waren die Verkaufskataloge sehr festlich gestaltet. Allerdings wurden sie anfangs, um Kosten zu sparen, nur in schwarz-weiß gestaltet. Erst mit der Einführung der Rentenmark und der kurz darauf ausgegebenen Reichsmarkt stabilisierte sich die Wirtschaft in Deutschland und somit stieg natürlich auch der Konsum durch die Bevölkerung. Dies erlaubte auch Sigurd weitere Warengruppen anzubieten und sie gestalteten die Kataloge mit bunten, ansprechenden Titelbildern, die sie an den Kunden versandten. In den Verkaufsstellen selbst lockten sogar Katalog mit farbigen Darstellungen im Innenteil, zum Beispiel für Fahrräder.

In der Weihnachtszeiten wurden auch allerlei Dinge angeboten, um die Wohnung festlich dekorieren zu können: von Kerzenlichtern und Lametta über Räuchermännchen und Weihnachtspyramiden konnte alles bei Sigurd bestellt werden. Ein besonderes Highlight war der Weihnachtsbaumständer, der wie eine Spieluhr aufgezogen werden konnte, sodass sich der Baum dreht.
Ebenso konnten die Kundinnen und Kunden ihre Weihnachtsgeschenke bei Sigurd bestellen: Für Damen konnte zwischen Schmuck, Taschen, Hüten, Parfüm und anderen Artikeln ausgewählt werden. Für den Herren gab es Taschenuhren, Utensilien zum Rauchen, Rasierzeug, Hüte, Mützen und vieles mehr. Für Kinder wurde ein breit gefächertes Spielzeugsortiment mit Puppen, Eisenbahnen, Fahrrädern, Rollern, Dreirädern, Baukästen und vielem mehr angeboten. Im Sortiment waren auch Kleindung und Schuhe sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.
Sigurd war wie Quelle, die 1927 starteten, ein großer Versandhandel. Die Konsumenten konnten bequem Haushaltsartikel und Textilien aus dem Katalog bestellen. Zu dieser Zeit stieg Sigurd aber auch selbst in die Fahrradproduktion ein, da der Bedarf durch Zukauf nicht mehr gedeckt werden konnte.
In den 1950er Jahren erfuhren die Versandhäuser einen enormen Aufschwung und erweiterten ihr Sortiment großflächig. Neben Kleidung konnten Möbel, Elektrogerät, Haushaltsartikel und vieles mehr in den Katalogen erworben werden. Sigurd fokussierte sich zu dieser Zeit auf den Versandhandel und stellte die eigenen Fahrradproduktion ein. Während andere Versandhäuser, wie Quelle und Otto, in den folgenden Jahrzehnten ihre Blütezeit erlebten, stellte Sigurd seinen Betrieb im Jahr 1974 komplett ein. Mit der Einführung des Internets und den damit aufstrebenden Onlineshops begann der Rückgang der gedruckten Versandkataloge in Deutschland vor allem in den 2000er Jahren. Zwischen 2010 und 2020 stellten viele große Versandhändler ihre umfangreichen Hauptkataloge ein und versende heute nur noch kleinere Spezialkataloge.

Text: Harald Dlugos
Bilder: Sigurd-Sammlung Harald Dlugos
Hier finden Sie eine verlinkte Auflistung unserer seit Oktober 2020 vorgestellten Objekte des Monats.
