Bleistiftschärf-Maschine "Jupiter" 1

Bleistiftschärf-Maschine Modell "Jupiter" 1  der Firma Guhl & Harbeck, Hamburg

Bleistifte und deren Anspitzer sind heutzutage selbstverständliche Alltagsgegenstände. Aber erst ab dem 18. Jhd. nahmen Schreibstuben und Kontore, in denen mit Bleistiften geschrieben und/oder gezeichnet wurde, zu. In Frankreich meldete der Franzose Bernard Lassimone 1828 das erste Patent für eine Bleistiftspitz-Vorrichtung an. Immer häufiger wurden Bleistifte genutzt und damit einhergehend wurden im Laufe der Jahre zahlreiche Varianten von Spitzern entwickelt. Bei den frühesten Spitzvorrichtungen wird eine scharfe Klinge in einem Gehäuse befestigt und der stumpfe Bleistift hingesteckt. Mittels drehender Bewegungen des Stiftes im Gehäuse wird dessen Holzummantelung abgeschnitten; die Bleistiftmine tritt wieder zum Vorschein und man kann weiterschreiben. Im Zuge der aufkommenden Industrialisierung begann die Entwicklung von sog. Bleistiftspitzer-Maschinen, die teilweise ein anderes Funktionsprinzip aufweisen, nämlich rotierende Schneidvorrichtungen um einen fixierten Bleistift.

Links das Antriebsgetriebe des Schneidwerkzeugs und rechts das Schneidwerkzeug (je nach Endgerät Desktop-PC, Tablet oder Smartphone neben- oder übereinander abgebildet) 

Das 1867 in Hamburg gegründete Unternehmen "Guhl & Harbeck" war eins der ersten, die solche Bleistiftschärfe-Maschinen entwickelten und produzierten. Die Firma begann zunächst mit Nähmaschinen für den Hausgebrauch, später wurde aufgrund der erfolgreichen Geschäftstätigkeit die Produktpalette erweitert. So wurden fortan auch Messerschärf-Maschinen und eben auch Bleistiftschärf-Maschinen angeboten. Das erste von der Firma "Guhl & Harbeck" entwickelte Modell einer Bleistiftschärf-Maschine bekam die Modellbezeichnung "Jupiter" – ein Meisterstück deutscher Ingenieurskunst, welches am 22.11.1896 unter der Patentnummer 94.617 in Deutschland patentiert wurde.

Der Bleistift wird in den Schlitten gesteckt und gegen den Fräskopf geschoben. Über die Handkurbel (im obersten Bild nicht sichtbar) wurde die Hauptwelle mit dem großen Antriebsrad rechts gedreht. Das Antriebsrad übersetzte – umgekehrt vergleichbar einem Hinterachsgetriebe eines Pkw oder Lkw – über eine 90°-Umlenkung die langsame Handdrehung entsprechend dem Verhältnis der Zähnezahlen zueinander (linkes bzw. oberes Bild je nach Endgerät) in eine deutlich schnellere Umdrehungszahl für das Schneidwerkzeug, welches dann den Bleistift anspitzte.

Die Hauptwelle trieb über ein einfaches Stirnradgetriebe mit der vermutlichen Übersetzung 1:1 auch den - je nach Bleistiftlänge - am linken Ende eingespannten Bleistift mit der gegenüber dem Fräskopf deutlich niedrigeren Drehzahl der Handkurbel an (Bild unten links), sodass die Anspitzung am gesamten Bleistiftumfang erfolgte und nicht nur an der Stelle des Fräskopfes. Der häusliche Bleistiftspitzer des Fotografen ist deutlich einfacher gebaut und entspricht prinzipiell der Beschreibung oberhalb der Bilder Antriebsgetriebe und Schneidwerkzeug, also der rotierenden Schneidvorrichtung um den fixierten Bleistift.

Links die Antriebsübersetzung für den zu schärfenden Bleistift und rechts die Rückseite der Bleistiftschärf-Maschine mit der Handkurbel (je nach Endgerät neben- oder untereinander abgebildet)

Innerhalb kürzester Zeit fand diese robuste Konstruktion – immer wieder verbessert – weiteste Verbreitung in Deutschland und der Welt. Sie wurde in viele Länder exportiert und auch gern von Mitwettbewerbern kopiert. Die Firma "Guhl & Harbeck" überstand die Weltwirtschaftskrise leider nicht und musste 1930 schließen. Ein Enkel des damaligen Mitbegründers Guhl versuchte nach dem zweiten Weltkrieg einen Neubeginn mit Bürozubehör; dazu gehörten Brieföffner und auch die Bleistiftschärf-Maschinen "Jupiter", die nach dem weiter entwickelten Ursprungsprinzip gebaut wurden. Das Unternehmen konnte sich jedoch nur bis zum Jahr 1970 am Markt halten und musste dann schließen.

Text: Günter Burggraf und Andrea Krischke

Bilder: Wolfgang Dünkel

Hier finden Sie eine verlinkte Auflistung unserer seit Oktober 2020 vorgestellten Objekte des Monats.

Gebrüder Credé & Co in Niederzwehren bei Cassel

Luftaufnahme des Werksgeländes in Niederzwehren, ca. 1926. Das Bild stammt aus einem Firmenkatalog im Bestand des Archivs des Technik-Museums Kassel.

1897 wurde die Waggonfabrik Gebrüder Credé & Co von Conrad und Adam Credé gegründet. In der Nähe des Bahnhofs Niederzwehren bei Cassel wurden auf einem Areal von 105000 m² die Gebäude der Eisenbahnwagenfabrik errichtet. Die Belegschaft umfasste ca. 1500 Personen. Die Fabrik war mit den modernsten maschinellen Einrichtungen ausgestattet und besaß große Vorräte in- und ausländischer Holzarten für den Waggonbau. Bis auf Radsätze, Federn, Walzstahl und Gussteile wurden sämtliche Teile selbst hergestellt. Gebaut wurden Personen-, Post- und Güterwagen sowie Straßenbahnen und Omnibusaufbauten. Zu den Kunden zählen die Deutsche Reichsbahn und Reichspost ebenso wie viele europäische Bahnverwaltungen und städtische Verkehrsbetriebe.  Auf der Internationalen Ausstellung in Paris 1937 erhielt Credé zwei Grand Prix und ein Ehrendiplom. Bis zum 1. Juli 1939 wurden 21311 Fahrzeuge abgeliefert (Personenwagen, Güterwagen). 

1945 wurde in der Villa Credé an der Frankfurter Straße die Kapitulation der „Festung Kassel“ unterzeichnet.  1956 wird Credé Tochter der Dortmund-Hörder Hüttenunion. Unter der Marke „Hercules“ wurden fortan auch Gabelstapler gebaut. Auch Großwälzlager und Schwerlast-Anhänger  gehörten zum Lieferprogramm.  Die Dortmund-Hörder Hüttenunion wurde 1966 Teil vom Hoesch-Konzern. Die Gabelstapler wurden nun im Baukastensystem angeboten.

Am 31.3.1967 stellte Firma Credé  ihre Tätigkeit ein. Bereits am 1.12. des selben Jahres eröffnet in einigen Gebäuden ein Einkaufszentrum. Einige Jahre lang wurden im Werk „Schmiedag“ von Orenstein & Koppel  in Hagen noch schwere Herkules-Gabelstapler hergestellt. Die Neubauhallen in Niederzwehren dienten einige Zeit als Außenlager eines schwedischen Möbelhauses, wurden jedoch 1995  im Rahmen der Vergrößerung des Einkaufszentrums abgerissen. In der Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten "Villa Credé" wird heute das „Hotel Credé“ betrieben.

Villa Credé, Ansicht von Osten. Das Bild wurde im Dezember 1916 in der Zeitschrift "Innen-Dekoration" veröffentlicht, die sich im Bestand der Universitätsbibliothek Heidelberg befindet.

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