Sammlungsgebiet Dampftechnik

Für Kassel, dessen Entwicklung zur Zeit der Landgrafen im 18. Jahrhundert und nach den napoleonischen Kriegen sowie besonders in der Zeit ab 1848 hatte die Technik unter Nutzung des Wasserdampfes eine hohe geschichtliche und wirtschaftliche Bedeutung. Zu nennen sind hier Denis Papin in Diensten des Landgrafen Karl (um 1700), Carl Anton Henschel mit der ersten für die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn gebauten Lokomotive "Drache" (1848) und Wilhelm Schmidt, dem Konstrukteur des Schmidt´schen Überhitzers zur Erhöhung des Wirkungsgrades bei thermodynamischen Prozessen.

Die AEG-Hilfs-Dampfturbine aus dem Lossewerk

AEG-Hilfs-Dampfturbine zur Speisewasserförderung bei Ausfall eines elektrischen Antriebs 

Ein Dampferzeuger, gleich ob als stationärer Dampfkessel oder als selbst fahrende Dampflokomotive, muss nach dem Anheizen und beginnendem Dampfverbrauch ständig mit Speisewasser versorgt werden, da ansonsten bei weiterer Brennstoffzufuhr die Gefahr einer Überhitzung bis hin zur Zerstörung führen kann. In Kraftwerken werden hierfür meist Kreiselpumpen verwendet, die mittels Elektromotoren angetrieben werden. Aus Redundanzgründen werden diese üblicherweise doppelt ausgeführt, wobei die Leistung einer Pumpe ausreichend ist und die zweite in Reserve gehalten wird, z. B. für Wartungsarbeiten oder Störungen an einer der beiden. Aber auch ein Motor oder eine Schaltanlage können ausfallen, wie in der Elektrizitätsversorgung gilt hier zumeist die (n-1)-Regel: Bei Ausfall eines Elements und/oder einer ganzen Einheit kann die Gesamtanlage weiterbetrieben werden, ggf. mit einer kurzen Unterbrechung. Und dafür kann anstelle eines Elektromotors auch eine Hilfsturbine benutzt werden, denn Dampf steht ja zur Verfügung und der Dampferzeuger muss weiter mit Speisewasser bis zum Herunterfahren versorgt werden.

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Der Dampfkessel der Linnea

Dieser Dampfkessel, der unser Objekt des Monats November 2020 war, hat eine ungewöhnliche Geschichte. In diesem Fall wurde der Kessel nämlich nicht in einem Betrieb als stationäre Energiequelle eingesetzt, sondern auf einem kleinen Boot; dies zeigt die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Dampfkesseln.

Üblicherweise haben Boote Verbrennungs- oder Elektromotoren. Herr Ehlich, der auch Mitglied im Technik-Museum Kassel (TMK) ist, entschied sich jedoch für einen Dampfantrieb. Sein Dampfboot Linnea wurde mit einer Dampfmaschine ausgerüstet, die den hübschen Namen Eskader trug. Der dazugehörige Kessel, der im Bild zu sehen ist, befindet sich im TMK. Mit diesem Dampfboot unternahm Hellmuth Ehlich zahlreiche Fahrten auf der Fulda.

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Dampfmaschine Lady Agnes

Die im TMK ausgestellte Dampfmaschine, vom Eigentümer liebevoll Lady Agnes getauft, wurde 1897 von der Maschinenfabrik Wiedemann AG in Chemnitz gebaut. Das Besondere: bei der Wiedmann AG, ging ein weiterer Pionier der Dampftechnik in die Lehre- Wilhelm Schmidt, der die Leistung von Dampfmaschinen wesentlich verbesserte. Bis 1934 wurde Lady Agnes in einer kleinen Brauerei in Leipzig eingesetzt. Danach verschlug es sie, ebenfalls an eine Brauerei, nach England. Dort war sie täglich bis 1978 im Einsatz. Anschließend kam sie nach Holland, wo sie, bei Bedarf, in einer Spirituosen-Fabrik, eingesetzt wurde.  1982 entdeckte sie ein betuchter, technik-versessenen Niederländer, der sie in den wohlverdienten Ruhestand versetzte. Doch damit war es 1994 vorbei, als der deutsche Ingenieur Heinz- georg Grone sie entdeckte und erwarb. Er ließ sie  in über 500 Arbeitsstunden von Grund auf restaurieren. Nun ist sie wieder voll betriebsbereit.

Baujahr 1897  
Hersteller Wiedemann Chemnitz
Gewicht 2300 kg
Länge 2200 mm
Breite 1800 mm
Schwungrd- Durchmesser 1650 mm
max. Drehzahl 250 U/min
Kolbenhub 340 mm
Kolbendurchmesser 200 mm
Dampfdruck 10 bar
Leistung 58 PS



Kontakt

Technik-Museum Kassel e.V.
Wolfhager Str. 109,
34127 Kassel
0561-86190400
museum@tmk-kassel.de

(last update 09.10.2020)

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