
Der Rührfix war die erfolgreichste Erfindung des Schlossermeisters August Heinzerling: Eine Universal Rühr- und Schlagmaschine, die ab 1932 bis Produktionsende 1997 über 8 Millionen Mal hergestellt und weltweit vertrieben wurde. Es war der Vorläufer der modernen, elektrischen Küchenmaschine, ein genialer Küchenhelfer, der in vielen Haushalten Einzug gehalten hat und zum Teil heute noch zum Einsatz kommt.
August Heinzerling wurde am 19. Februar 1899 in Kassel geboren. Er war der Sohn des bei der Reichsbahn angestellten Mechanikers Johann Karl Heinzerling und dessen Frau Anna Martha, geb. Landefeld. Die Familie war von Altmorschen (heute Morschen) nach Kassel gezogen. August besuchte ab 1905 die Bürgerschule I in Kassel und erlernte im Anschluss daran den Beruf eines Schlossers beim Königlichen Eisenbahn-Werkstätten-Amt. Sein Gesellenstück war eine kleine Dampfmaschine.
Im Frühjahr 1917 ging er zur Marine und fuhr mit der SMS Victoria zur See. Er nahm an der Schlacht im Skagerrak bei Norwegen teil und wollte danach Deckoffizier werden. So ging er ab Sommer 1918 zur Marineschule. Der Verlauf und das Ende des Krieges im gleichen Jahr ließen seinen Traum jedoch platzen. 
Wie für alle Deutschen, waren die Jahre nach dem Krieg unter der Last der Reparationen, verbunden mit der Inflation, nicht die angenehmsten. Er arbeitete nach dem Krieg in einer Kasseler Waffenmeisterei und anschließend in der Pianoforte-Fabrik von Carl Scheel. In dieser Zeit bildete er sich weiter und legte erfolgreich 1922 die Meisterprüfung ab. Seine erste Stelle als Meister hatte er bei der Firma Fritz Westhoff in Kassel.
Nachdem sich 1923 die wirtschaftliche Lage immer weiter verschlechterte, zog es ihn in die Ferne, er ging nach Amerika. Dort wohnte er anfangs bei Verwandten und hatte schon nach drei Tagen einen Arbeitsplatz gefunden. An der technischen Hochschule studierte er in Abendkursen und wurde schließlich Konstrukteur bei Ford in Detroit. 1928 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Wie viele andere hatte auch er hoch spekuliert und verlor am Schwarzen Freitag 1929 fast sein gesamtes Vermögen, woraufhin er nach Deutschland zurückging. Bereits vier Monate später, Anfang 1930, zog es ihn erneut in die Staaten. Er erhielt, obwohl die Wirtschaft dort, wie überall am Boden lag, seine Stelle bei Ford zurück, wo er bis 1933 blieb, bevor er endgültig Amerika verließ und zurück nach Deutschland kehrte.
In den Jahren in Amerika entwickelte er den Rührfix, den er sich dort 1933 patentieren ließ. Weitere Patente auf dieses Gerät erhielt er später in der Schweiz und in England. Dieses erste Modell war ein Vorläufer, von dem nur wenige hergestellt wurden.
Nach seiner Rückkehr aus Amerika baute er zusammen mit seinem Vater ein Haus in Kassel-Kirchditmold, Am Hange 14, wo er sich eine kleine Werkstatt einrichtete. Die ersten Rührfixe hatte er in seiner Mietwohnung am Küchentisch hergestellt und war nun in der Lage, in die Produktion zugehen.
1934 gründete er eine Firma, aus der später die HEIMAG A. Heinzerling KG hervorging. Im Jahr darauf erhielt er auch in Deutschland das Patent auf den Rührfix, das am 28. Juni 1935 mit der Nummer 647 673 über eine Rühr- und Schlagvorrichtung erteilt wurde. Produziert wurde zu Hause, mithilfe von Verwandten. Parallel dazu arbeitete er ab 1935 als Konstrukteur bei Henschel & Sohn. Gleichzeitig zog er mit einem Musterkoffer los, um seinen Rührfix publik zu machen, so wie 1936 auf der Leipziger Mustermesse, wo der Rührfix eines von 8000 Produkten, mit am erfolgreichsten abschnitt. Dieser Besuch hatte sich gelohnt, denn ab da war die Erfolgsgeschichte dieser universellen Küchenhilfe nicht mehr aufzuhalten. Die Kapazitäten in seiner kleinen Werkstatt reichten nicht mehr aus. So mietete er am Berliner Platz eine größere Werkstatt, wo 1937 bereits 100 Rührfixe am Tag produziert wurden. Im gleichen Jahr heiratete er, sein Sohn Karl wurde 1938 geboren, seine Tochter Gudrun 1942.
1939 kam es aufgrund der Kriegsvorbereitungen zu Materialengpässen, die dazu führten, dass er kurz nach Kriegsbeginn die Produktion einstellen musste. Er fand erneut Arbeit bei Henschel & Sohn als Betriebsassistent und stieg später auf zum Leiter des Getriebe- und Zahnradbaus. 1944 wurde er nach Eschwege abgeordnet, wo er dem Reichsrüstungsministerium unter Leitung von Albert Speer unterstellt war. Bei diesem strenggeheimen Projekt ging es um Antriebe für Strahltriebwerke für Flugzeuge. Heinzerling konstruierte ein Getriebe mit einer Übersetzung von 260:1. Erst nach Kriegsende erfuhr er, dass er eines der wichtigsten Antriebselemente für die Vergeltungsrakete V2, im Auftrag von Wernher von Braun entwickelt hatte. Dieses Getriebeteil nahm Braun mit in die USA, wo es in den Saturnraketen verbaut wurde.

Bei dem Bombenangriff auf Kassel am 22. Oktober 1943 wurde sein Wohnhaus in Kirchditmold zerstört. Zusammen mit anderen „Ausgebombten“ wurde er erst in der Nähe von Zierenberg untergebracht, bevor er im Kloster Haydau in Morschen eine neue Unterkunft erhielt. Dort begann August Heinzerling bereits im Mai 1945, eine neue Werkstatt einzurichten. Die Ausstattung hatte er aus Wehrmachts- und US-Beständen erwerben können.
Die ersten Aufträge waren Reparaturarbeiten an Maschinen und Anlagen sowie der Bau von Werkzeugmaschinen. 1949 wurde die Produktion des Rührfix wieder aufgenommen, obwohl sich das Unternehmen immer mehr in Richtung des Maschinenbaus entwickelte.
1950 brachte Heinzerling die Universalmaschine HEIMAG A5 auf den Markt: klein und handlich, mit den Anwendungsmöglichkeiten bohren, schleifen, fräsen, sägen sowie mit einer zusätzlichen biegsamen Welle.
Die A5 wurde unter anderem auf der Europa-Ausstellung im September 1951 in Paris vorgestellt. Diese Messe wurde ein voller Erfolg, Heinzerling verkaufte an den zehn Messetagen 2180 Geräte. Das waren wesentlich mehr, wie er in der Lage war, zu produzieren.
1956 folgte die HEIMAG A 6 mit einer integrierten Drehmaschine. Die A6 konnte an den Erfolg der A5 nicht anknüpfen.
Neben d
iesen Erfolgsprodukten brachte Heinzerling auch kleinere Innovationen auf den Markt, wie den Boromat, ein Aufsatz für Bohrmaschinen zum staubfreien Bohren, oder die ERA-Box zur Aufbewahrung von Elektrorasieren im Badezimmer, Patent 803 995.
Der Rührfix entwickelte sich zu einem echten Verkaufsschlager, sodass 1949 neben der ehemaligen Klosteranlage eine neue Produktionshalle gebaut wurde. HEIMAG hat bis zum Produktionsende 1997 über 8 Millionen Rührfixe hergestellt und verkauft. Neben den Geräten für den privaten Haushalt gab es auch eine Variante für Großküchen.
1956 folgte eine hydraulische Maschine mit einer Abfülleinrichtung für die Herstellung von Schmelzkäse.
Mit den Jahren wurde der Kunststoff immer interessanter und Heinzerling erkannte rechtzeitig diesen Markt. 1957 schaffte er die erste Kunststoffspritzmaschine an. Die Firma entwickelte sich zu einem Spezialisten für technische Kunststoffspritzteile. Zu den Kunden gehörten die Automobilindustrie, Hersteller von Radio- und Fernsehgeräten, Uhrenfabriken und Optikhersteller. Gefertigt wurde auf neusten CNC-Maschinen mit guten Fachkräften. Bald schon wurde der Standort auf dem Gelände des ehemaligen Klosters zu klein und August Heinzerling baute ein zweites Werk in Altmorschen, dass 1963 in Betrieb genommen wurde. Die Verwaltung und der Werkzeugbau blieben in den alten Gebäuden, während die Produktion in den Neubau auf der anderen Seite der Fulda verlegt wurde.
1973 erfolgte die Übergabe des Unternehmens an seinen Sohn, Karl Heinzerling. Dieser führte das Unternehmen im Sinne seines Vaters erfolgreich weiter. 
Am 01. August 1989 starb August Heinzerling im Alter von 90 Jahren. Neben seinen Erfindungen war er passionierter Geiger und Geschichtenerzähler.
Mitte der 1990er Jahre war die HEIMAG mit etwa 140 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Morschen. Dem weiteren Erfolg des Unternehmens standen nur die Kinder von Karl Heinzerling im Weg. Seine drei Töchter, zwei waren adoptiert, ließen am 15. Juni 1997 ihre Eltern durch einen Verlobten der Töchter ermorden. „Der Elternmord“ war ein Fall, der großes Aufsehen erregte.
Alle fünf Tatbeteiligten, einschließlich der Freund einer anderen Tochter, wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Das Gericht erkannte Habgier als Tatmotiv und erklärte die Töchter für erbunmündig. Ein Großneffe, Walter Christian Heinzerling, wurde zum Erben bestimmt.
Im gleichen Jahr wurde die Produktion des Rührfix eingestellt, der sich nicht mehr verkaufen ließ. Der Umsatz war schon seit Jahren stark rückläufig, denn wer wollte an einer Kurbel drehen, wenn man moderne elektrische Küchengeräte hat. Die HEIMAG wurde 2004 insolvent, es folgte der Konkurs und Auflösung der Firma.
Die letzten Paletten mit dem Rührfix erwarb die Firma Manufactum, die diesem Universalgerät noch einmal für kurze Zeit Leben einhauchte.
Der Rührfix und seine Technik
Bis der Rührfix auf den Markt kam, war Sahneschlagen eine echte Geduldsprobe, da es mit Löffeln oder Schneebesen lange dauert und Kraft erfordert, bis man steife Schlagsahne genießen kann. Diesem Problem hatte sich der Erfinder August Heinzerling angenommen. Ziel war es, mit wenig Kraftaufwand eine hohe Übersetzung zu erlangen, was den Verarbeitungsprozess erheblich beschleunigt. Die Lösung fand er im Planetengetriebe oder, wie es fachmännisch richtig heißt, im Umlaufrädergetriebe.
Der Name Planetengetriebe leitet sich von unserem Sonnensystem ab, wo Planeten um die Sonne kreisen. Dieses Getriebe bietet viele Möglichkeiten durch Verändern der Zahnradgrößen und Fixieren des Sonnenrades oder Hohlrades. Man findet solche Über- oder Untersetzungsantriebe in vielen Anwendungen, wie modernen Automatikgetrieben beim Kraftfahrzeug und in Fahrradnaben von Rohloff.


1 = Hohlrad, 2 = Sonnenrad, 6 = Planetenräder
Heinzerling verzichtete bei seiner Konstruktion auf das Sonnenrad und treibt über eine Kurbel den unteren Deckel mit den Planetenrädern an. Diese laufen im fixierten Hohlrad des oberen Deckels und drehen sich mit dem gesamten Rührwerk im Behälter. Die kleineren Planetenzahnräder verfügen über 8 Zähne, während das Hohlrad 40 Zähne hat. Bei einer Umdrehung an der Kurbel drehen sich die Planetenräder fünfmal im Hohlrad, was eine Übersetzung von 5:1 bedeutet. Die angetrieben Planetenräder treiben gleichzeitig jeweils ein weiteres gleichgroßes Zahnrad an. An allen vier kleinen Zahnrädern ist jeweils ein Rührstab befestigt. Die Rührstabpaare drehen sich dabei gegenläufig.
Das Ergebnis dieser Konstruktion war der Rührfix, ein universeller Küchenhelfer, mit dem man verschiedene Lebensmittel verarbeiten konnte, wie Schaumspeisen, Schlagsahne, Buttercreme, Eischnee, Mayonnaise, Eierspeisen, leichte Kuchenteige, Mischgetränke und vieles mehr. Ich erinnere mich, dass meine Mutter damit Eierlikör herstellte, den ich als Kind leider nicht kosten durfte. Aber das war noch nicht alles, was der Rührfix konnte. Mit etwas Zubehör wurde mit wenigen Handgriffen aus dem Rührfix eine Zitruspresse, ein Dottertrenner oder ein Aufbewahrungsgefäß mit Deckel.
Die Grundkonstruktion von 1935 wurde während der gesamten Produktionszeit nicht verändert. Was sich regelmäßig änderten, war der Einsatz der Rohstoffe. Heinzerling war Spezialist im Kunststoffspritzverfahren und tauschte nach und nach fast alle Komponenten des Rührfix gegen Kunststoffteile aus.
Unterschiede der 4 Rührfix-Varianten:
| Modell A |
Getriebegehäuse aus Bakelit, Kurbel aus Guss und der Behälter mit 1 Liter Fassungsvermögen aus Glas. Als Zubehör wurde ein De-Do angeboten, ein einfacher Dotterfänger. Alle Behälter waren mit Maßangaben versehen. Im Deckel befindet sich ein integrierter Presskegel, der nach Abnehmen der Kurbel und Einsetzen einer Pressspitze als Zitruspresse genutzt werden kann. Im Deckel befindet sich zusätzlich ein Ausgießer, durch den man während des Arbeitens Zutaten hinzufügen kann.
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| Modell B |
wie A, jedoch Getriebegehäuse und Behälter aus Kunststoff. Fassungsvermögen des Behälters 1 Liter. Später wurden auch Kurbel und Rührstäbe aus Kunststoff gefertigt. Als Zubehör wurde ein zusätzlicher Deckel mit integriertem Dottertrenner angeboten, der auch an das Modell C passte. Zeitweise wurden beide Artikel als Set verkauft. |
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| Modell C |
wie Modell B, jedoch mit einem 1,25 Liter fassenden Behälter. |
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| Modell handy |
die kleinste Version mit einem 0,5 Liter Behälter, drei Rührstäben und seitlichem Kurbelantrieb, ohne Presskegel. Hiervon wurden weniger verkauft, daher ist das Modell nicht so bekannt. Es wurde aber, wie die anderen Ausführungen auch, exportiert. |
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Die Behälter sind mit Maßangaben versehen: Liter und Kubikzentimeter für Länder mit metrischen Maßen, für die USA mit Cubic Inch und für England mit Pint.
Den Rührfix wurde in verschiedenen Farben produziert. Dies war keine Modeerscheinung, sondern sagte aus, in welches Land die Lieferung erfolgte. So war zum Beispiel dem französischen Markt die Version mit blauem Getriebegehäuse vorbehalten.
Zu den weiteren Küchenutensilien, die von HEIMAG erfunden und angeboten wurden, gehörte die Zi-Do. Dabei handelte es sich um eine Zitronenpresse mit zwei unterschiedlichen Presskegeln und der Möglichkeit, Eier zu trennen.


Ein weiteres Patent auf einen Küchenhelfer hatte August Heinzerling am 10. März 1967 erworben. Laut Patentschrift handelte es sich dabei um ein „Gerät zum geruchlosen Schneiden von Zwiebeln und anderen Knollengewächsen in streifen- und würfelförmige Stücke.“ Dieser Schneider wurde unter dem Namen Cutfix vertrieben.
Hier finden Sie eine verlinkte Auflistung unserer seit Oktober 2020 vorgestellten Objekte des Monats.
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Quellenangaben:
Text:
Klosterbrief, Kloster-Haydau von 2020, Seiten 36-43 verfasst von Otto Wohlgemut
Internet:
- Forkfuls online: Der originale Rührfix-Mixer
- https://de.wikipedia.org/wiki/Elternmord_von_Morschen
- https://www.morschen-kloster-
- https://www.hna.de/lokales/melsungen/ruehrfix-nach-morschen-3131693.html
- https://de.wikipedia.org/wiki/August_Heinzerling
- https://nat.museum-digital.de/object/1154597?navlang=de
Bilder:
- Planetengetriebe - https://www.gunt.de/de/produkte/2e-energy/windkraft/anwendungstechnik-bei-windkraftanlagen/dynamisches-verhalten-mehrstufiger-planetengetriebe/030.21200/gl212/glct-1:pa-119:ca-674:pr-382
- Foto von August Heinzerling, mit Genehmigung Geschichtskreis Morschen
- Alle anderen Bilder Jochen Spier TMK, teilweise aufgenommen im Kloster-Haydau, wo es eine kleine Ausstellung gibt, die Rahmen einer Klosterführung besichtigt werden kann.
Das Objekt im Dezember 2025 war das Streichholz, dessen Produktion von Carl Beck maschinell betrieben wurde. In diesem Monat geht es um die die Firma Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft vormals Beck & Henkel, deren Mitbegründer er war.
Carl Beck jun. wollte ursprünglich Offizier in der preußischen Armee werden. Jedoch waren ihm die Aufstiegschancen zu gering. Er wurde Kaufmann und arbeitete in der Fabrik seines Vaters, dem Zündholzhersteller Carl Beck in Kassel. Doch daran hatte er keine Freude, vom Fernweh geplagt zog es ihn 1867 in die USA. Dort gründete er in St. Louis eine Zündholzfabrik, die durch die Konkurrenz dreimal angezündet wurde. Auf Wunsch seines Vaters kehrte er 1870 zurück nach Deutschland und übernahm die Firmenleitung in der Kasseler Fabrik.
Das Zündholz selbst interessierte ihn weniger, er liebte mehr den Maschinenbau. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er kurz darauf begann, die Produktion seiner Fabrik zu modernisieren, indem er auf maschinelle Fertigung umstellte. Die nötigen Maschinen entwickelte und baute er selbst und ließ sich diese patentieren. Damit war seine Zündholzfabrik die Erste, in der maschinell gefertigt und verpackt wurde. Seine Maschinen verkaufte er sogar nach Schweden, dem Mutterland des Zündholzes.
Eines Tages kreuzten sich die Wege von Carl Beck und dem 22-jährigen Ingenieur Gustav Henkel. Sie gründeten die Firma Beck & Henkel, Maschinenbau. Der Firmensitz befand sich an der Wolfhager Straße 14. Ecke Gießbergstraße / Wolfhager Straße stadtauswärts. Man begann mit dem Bau von Dampf- und anderen Maschinen, und produzierte Maschinen für die Zündholzindustrie. 1881 lieferte das Unternehmen die vollständige Ausstattung für eine Zündholzfabrik mit einer selbst hergestellten Dampfmaschine nach Venezuela. Diese Fabrik war die Erste ihrer Art in Südamerika und es war die erste Dampfmaschine in Venezuela.
Oben bzw. links ein Eisenbahnkran von Beck & Henkel auf Wegmann-Fahrgestell
Bei der Besichtigung des Neubaus des 1882 fertiggestellten Kasseler Schlachthofes stellte Beck fest, dass die vorhandenen, von Henschel gelieferten Winden schwer und unhandlich waren. Er konstruierte eine wesentlich verbesserte und leichtere Hebevorrichtung für Schlachtvieh, stellte diese vor und erhielt prompt einen ersten und viele Folgeaufträge. Dies hatte zur Folge, dass er seine Zündholzfabrik an Nölke und Stahl verkaufte, die den Betrieb unter dem Namen Nölke & Stahl, vorm. Carl Beck, weiterführten. Beck & Henkel stieg in den Markt der Hebe- und Aufzugstechnik ein, spezialisierte sich auf Schlachthofausstattungen und erweiterte neben dem weiteren Bau von Dampftechnik diese Produktlinie auf Hebe- und Aufzugsvorrichtungen aller Art.
Das Unternehmen expandierte, stieg mehr in die Dampftechnik ein und trieb diese voran. Sie versuchten es mit verschiedenen Produkten, wie dem Bau von Dampflokomotiven, jedoch mit wenig Erfolg. In verschiedenen Publikationen wird berichtet, dass Beck & Henkel in 1882 zwei Straßenbahnlokomotiven an die Casseler-Straßenbahn-Gesellschaft geliefert habe. In einem Buch der KVG über die ersten 100 Jahre des Kasseler Nahverkehrs ist davon keine Rede; alle außer der Lokomotive Nr. 6, über die es keine Angaben gibt, sind dort beschrieben. Carl Feldner berichtet in seinem Buch "Erfinder und Fabrikanten" darüber, dass 1882 eine Lokomotive mit Wagen auf dieser Strecke von Beck & Henkel verkehrte (Quelle L. Lindner). Waggons baute und lieferte zu dieser Zeit vornehmlich Thielemann, Eggena & Co., die 1878 bereits 5.800 Eisenbahnwagen gefertigt hatten. 1905 wurde der Waggonbauer von Henschel & Sohn übernommen, welche die Liegenschaften für die Vergrößerung ihrer Fabrik am Möncheberg benötigte. Man kann davon ausgehen, dass es sich bei dieser erwähnten Dampf-Straßenbahn um eine von Beck & Henkel gehandelt haben könnte. Hauptlieferant für Straßenbahnlokomotiven war jedoch Henschel & Sohn, die zwischen1878 und 1884 sechs Loks lieferten.
Auf den Gebieten der mechanischen Hebeeinrichtungen und des Maschinenbaus hatte Beck einige bahnbrechende Patente erlangt, während sich Henkel mit der neu aufkommenden Stromerzeugung befasste. Schon sehr früh zweifelte Henkel an, dass die Leistung des Wasserkraftwerks in der Neuen Mühle für die Stromversorgung von Kassel ausreichen würde. Anlässlich eines Musikfestes in der Reithalle der Reichswehr baute Beck & Henkel die Elektroinstallation und beleuchtete mit ambulanten Bogenlampen die Veranstaltung. Elektrisches Licht war etwas Neues und zog Massen an Neugierigen an, sodass die Veranstaltung überlaufen war. Prompt folgten Aufträge für die Lichtausstattung des neuen Militärlazaretts und der Bühnenbeleuchtung des Hoftheaters. Gleichzeitig wurden im eigenen Werk Bogen- und Glühlichtbeleuchtungen installiert, obwohl die Kosten hierfür enorm hoch waren und von vielen anderen Firmen gescheut wurden. Um an Kapital zu gelangen, entschlossen sich die Unternehmensgründer 1889, ihre Firma in eine Kapitalgesellschaft mit dem Namen Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft vormals Beck & Henkel (hier nachfolgend in Kurzform Maschinenbau AG genannt) umzuwandeln. Der Firmensitz war nun in der Wolfhager Straße 28, auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen Hoffmann von Fallersleben- und Sickingenstraße. Das Stammkapital betrug 1.000.000 Mark.
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