


Die Anfänge der Rohloff GmbH

Barbara und Bernhard Rohloff gründeten 1986 die Rohloff GmbH. Der erste Firmenstandort lag in einem Hinterhof in der Mönchebergstraße 30 in Kassel. Hier befand sich die Produktion der S-L-T 99 Fahrrad-Schaltungskette. Dank ihrer überragenden Schaltqualität etablierte sie sich schnell am Markt.
1989 stieg der renommierte italienische Fahrradkomponentenhersteller „Campagnolo“ bei Rohloff ein. Er lieferte bis 1993 alle seine Schaltgruppen weltweit mit der patentgeschützten S-L-T 99 Kette für den Radsport als 8-fach und 9-fach Kette aus. Die Produktion, Montage und Qualitätsüberwachung erfolgten weiterhin über Rohloff. Dafür steht das „grüne Monster“, eine von Bernhard Rohloff selbst entwickelte und konstruierte Kettenmontage-Maschine. Die für die Kette benötigten Einzelteile wurde alle von deutschen Zulieferfirmen mit hochwertigsten Materialien gefertigt. Im Drei-Schicht-Betrieb konnten an dem „grünen Monster“ über 100.000 Ketten im Jahr hergestellt werden. Wie gut die Kette war, zeigte sich schon im Jahr 1990, als Greg Lemond die „Tour de France“ mit der S-L-T 99 Kette gewann. Insgesamt wurden mit dem Kettenautomaten fast 1 Millionen Ketten gefertigt. 2012 stellte Rohloff die Kettenfertigung zugunsten der stark wachsenden Produktion der 14-Gang Nabe ein.


Eigenschaften der Rohloff-Kette
Edelstahlbolzen und Rollen der Ketten waren mit einer ultraharten Chromcarbidschicht gegen die extremen Belastungen im Hochleistungsbereich gepanzert. Um eine immer gleichbleibende Wandstärke der Rolle zu garantieren, wurde diese aus Präzisionsbandstahl gewickelt. Die vernickelte Oberfläche der Laschen verbesserte die Gleiteigenschaften und schützte vor Rost. Bolzen und Rollen waren absolut korrosionsbeständig. Für außergewöhnliche Fahrräder gab es die Ketten auch 24 Karat vergoldet.
Die verwendeten Materialien und die Erfahrungen aus dem Kettenprüfstand sowie Einsätze unter härtesten Bedingungen machten die Kette unschlagbar. Mit einem Gewicht von 278 Gramm bei 100 Kettengliedern war sie eine der leichtesten Ketten ihrer Klasse. Zudem war sie dank der Super-Link-Technologie enorm stabil. Mit den großen Anlageflächen im Gelenk verhinderte diese die elastische Kettenlängung. Dies schonte den gesamten Antrieb mit Kettenblättern und Ritzel auch unter härtesten Bedingungen. Die hohe Seitenflexibilität sorgte für einen geschmeidigen Lauf und seidenweiches Schalten. Extreme Schaltsprünge und maximalen Schräglauf meisterte die Kette problemlos.

Schmal, schmaler, S-L-T 99
9-fach-Schaltungen waren in dieser Zeit das Maß der Dinge im Straßenradsport und mit einer Breite von 6,8 mm gehörte die Rohloff-Kette zu den schmalsten Ketten am Markt. Pentagonal vernietete Bolzen boten größte Sicherheitsreserven bei harten Schaltvorgängen unter Last. Auch abseits der Straße war die S-L-T 99 State of the art. Aus Kompatibilitätsgründen mit IG waren die 8-fach-Straßenkette, die ATB-SH und die Trial-Kette 7,1 mm breit.
Der Fokus auf Qualität
Von Beginn an mussten die Rohloff-Produkte nicht nur außergewöhnlichen Qualitätsstandards genügen, sondern auch eine bemerkenswerte Lebensdauer zeigen. Der moderne Begriff hierfür ist Nachhaltigkeit. Dies zeigte schon das erste Produkt: Die 8 und 9-fach Kette S-L-T 99 überragte trotz schmaler Baubreite alle anderen Ketten am Markt mit einer außergewöhnlichen Lebensdauer.
Fahrrad neu gedacht
Im Hause Rohloff wurde weiter viel über das Fahrrad und seine Antriebskomponenten nachgedacht. 1989 wurde bereits der Adapter Rohloff Cash8 vorgestellt, der Campagnolo-Naben für Shimano-Kassetten nutzbar machte. In den Folgejahren kamen der Rohloff-Revolver, Caliber und HG-IG-Check sowie das automatische Kettenschmiersystem Lubmatic hinzu, das eine echte Innovation zu seiner Zeit war. Die Lösung auf die Frage, wie Kräfte mit einer effektiv geschmierten Kette mit möglichst wenig Reibungsverlusten ökologisch vertretbar übertragen werden können, kam 1994 mit dem biologisch schnell abbaubaren Kettenschmierstoff „Oil of Rohloff“.
Auf in die Zukunft
Nur zwei Jahre später wurde eine bahnbrechende Erfindung auf der IFMA in Köln vorgestellt: die Getriebenabe SPEEDHUB 500/14. Bei der ersten Livevorführung 1997 auf der Eurobike gab es staunende Augen von Interessenten, Kunden und Mitbewerbern. Von nun an ging der Weg von Rohloff steil nach oben: 1998 wurden die ersten Getriebenaben ausgeliefert und im Jahr 2000 gewann das Unternehmen den Innovationspreis des Landkreises Kassel.
Mit der Umwandlung in die Rohloff AG hatten Mitarbeitende 2004 die Möglichkeit, sich am Unternehmen zu beteiligen. Es wurde der neue Standort in Fuldatal-Ihringshausen bezogen. Bis 2006 wurden 60.000 SPEEDHUBS ausgeliefert und Bernhard Rohloff baute zwei Jahre später auf der Eurobike das 100.000. Getriebe vor Fachpublikum zusammen. Ihre Langlebigkeit zeigte sich auch in der „Wanted-Kampagne“: 2009 wurden 55 Fahrer prämiert, die mit ihrem Getriebe jeweils mehr als 60.000 Kilometer gefahren sind.
In den folgenden Jahren startete das erste SPEEDHUB-Championship-Rennen in Altenberg, ein neuer Dreh-/Schaltgriff kam auf den Markt und der Rohloff Revolver 3 wurde ausgeliefert. Auch aktuellen Trends passte sich die Rohloff AG an und lieferte die SPEEDHUB XL für Fatbikes aus. Seit 2017 können mit der SPEEDHUB alle verfügbaren Steckachssysteme unterstützt werden.
Alles elektrisch
Im Jahr 2018 bekam die Rohloff AG für die Entwicklung der elektrischen Schaltansteuerung E14 den Eurobike Gold-Award. Die E14 ermöglichte es dem Fahrer, lastfrei mit dem Bosch-System eine Getriebenabe zu schalten. Später wurde dafür ein automatisches Schaltsystem vorgestellt. Die Firma wächst stark und hat durch die Corona-Pandemie ihren höchsten Absatz an Getriebenaben durch den neuen E-Bike Trend. Die Getriebenabe SPEEDHUB ist trotz immer neuer Radentwicklungen bis heute sehr beliebt. Radfahrer, die die Höchstleistung, Komfort und Lebensdauer miteinander verbinden, schätzen die Getriebenabe. Sie passt sich an nahezu alle Anforderungen moderner Fahrräder an. Bis 2023 wurden 400.000 SPEEDHUB ausgeliefert.
In diesem Jahr (2026) feiert die Rohloff AG doppelt: Die Firma wird 40 Jahre alt und die SPEEDHUB seit 30 Jahren gefertigt.

Quellen: Rohloff AG (https://www.rohloff.de/de/)
Hier finden Sie eine verlinkte Auflistung unserer seit Oktober 2020 vorgestellten Objekte des Monats.
Ein Moped aus Kassel? Gibt es das? Ja, es gab sogar zwei Hersteller, zum einen die Firma Credé, die die Sitta-Credette baute, und zum anderen die Firma SIGURD, ein Kasseler Versandhaus, welches ihre selbst produzierten Mopeds unter dem Namen SIGURD Sachs 50 über ihren Versandhauskatalog vermarkteten.

Die Sitta-Credette II
Nach dem 2. Weltkrieg bestand ein großer Bedarf an preiswerten Fahrzeugen. Zunächst wurden Fahrräder produziert, die teilweise mit Anbaumotoren ausgestattet wurden. 1953 brachte Ilo den Motor FP 50 heraus, der in fahrradähnliche Rahmen eingebaut werden konnte. Den großen Boom erlebte das neue Fahrzeug auf der IFMA 1953 in Frankfurt, auf der gleich 16 Hersteller diese motorisierten Zweiräder vorstellten. Nach Stand der StVZO waren dies allesamt Fahrräder mit Hilfsmotor. Gleichzeitig hatte Ilo einen Preis ausgeschrieben, um eine passende Bezeichnung zu finden. Diese stammt aus dem Schwedischen, wo man für derartige Fahrzeuge Moped sagte, eine Ableitung aus Motor und Pedaler. Dieser Begriff setzte sich schnell durch und wurde später auch so in die StVZO aufgenommen.
Geschichtliches zu Sitta
Der Oberingenieur für Flugzeugbau Helmut Ordemann aus Sittensen, zwischen Hamburg und Bremen gelegen, wollte seiner Ehefrau einen Motorroller schenken, mit dem sie zum Einkaufen fahren konnte. Es kam aber nur ein Eigenbau infrage. So baute er 1949 den ersten Sitta-Motorroller. Aufgrund des großen Zuspruchs nach Vorstellung des ersten Prototyps gründete Ordemann im gleichen Jahr mit dem Kaufmann Gerhard Hauser die Hummelwerke in Sittensen und begann mit der serienmäßigen Produktion von Motorrollern. Interessant ist der gewählte Name Sitta, dieser bedeutet: Als Person mit aufrechtem Oberkörper auf dem Hinterteil (aus-) ruhen.
Motorisierte Zweiräder waren nach den entbehrungsreichen Jahren des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit das Auto des kleinen Mannes, ein echter Verkaufsschlager. Als Eigenerzeugnisse wurden in Sittensen Rohrrahmen und Benzintanks hergestellt. Alle übrigen Teile kaufte man zu. Zusammenbau, Lackierung und Elektrik-Einbau erfolgten in der eigenen Werkstatt. Mit der wachsenden Nachfrage, vor allem aus dem Ausland, stiegen die Produktionszahlen, die Anzahl der Mitarbeiter im Hummelwerk wuchs zeitweilig auf 60 Personen. Schnell wurde die Produktpalette um Mopeds und Motorräder erweitert. Das größte Kraftrad war eine 250-er mit einem 2-Zylinder-Ilo-Motor.
In Spitzenzeiten verließen bis zu vier Maschinen – Motorroller, Mopeds und Motorräder – pro Tag das Werk. Der Absatzmarkt erweiterte sich, es folgten Auslandslieferungen nach Kuba, Schweden, Dänemark, in die Schweiz und nach Indonesien. 1954 wurde das Sitta-Werk dennoch geschlossen. Grund war das Wirtschaftswunder, das es einer immer breiteren Käuferschicht erlaubte, Auto zu fahren. Dadurch ging der Motorrollerumsatz stetig zurück und kam Ende der sechziger Jahre fast zum Erliegen.
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